Beachvolley Vikings streben in München fünften Titel in Folge an

Veröffentlicht am 11. Februar 2022

Von Catiana Rettenberger

Anders Mol und Christian Sørum sind derzeit das Nonplusultra im Beachvolleyball und scheinen praktisch unschlagbar zu sein. Olympiasieger in Tokio. Viermal in Folge Europameister. Bis zu ihrem vierten Titelgewinn im Jahr 2021 hatte noch kein Duo viermal gewonnen, geschweige denn in Serie. Die beiden Norweger standen uns im Interview Rede und Antwort, und gewährten einen Einblick in ihr Leben sowie ihre Ziele für die European Championships Munich 2022.

Mol und Sørum melden sich per Videocall aus Teneriffa – eines von vielen Trainingslagern, das jährlich auf ihrem Programm steht. Aktuell geht es für die 24- und 26-Jährigen vor allem darum, möglichst viele Trainingseinheiten im Sand zu absolvieren. Spaß mache das nicht immer, so Mol, der Jüngere von beiden. Es „kann langweilig sein, aber wir brauchen es. Sie wollen uns besiegen.“

Auch wenn ihnen in ihrer kühlen Heimat Hallen zur Verfügung stehen, ist das Training im Freien unter echten Wettkampfbedingungen mit Sonne, Hitze und Wind ein wichtiger Teil der Vorbereitung. Die Saison ist schließlich lang.

Ihre Wettkampfphase beginnt im März und könnte bis September dauern. Mindestens aber bis Mitte August, denn mit den European Championships Munich 2022 steht für sie noch ein spätes, aber besonderes Highlight an. 

Eine Bromance unter Wikingern

Eine Bromance unter Wikingern

Die Beachvolley Vikings, wie sie sich selbst nennen, trainieren mit Mols Bruder Hendrik und Cousin Mathias Berntsen. Ihr unkonventioneller Name kommt nicht von ungefähr, wie auch Mol erklärt: „Wir wollten uns etwas abheben und nicht nur Team Mol-Sørum sein, denn alle heißen Team Thole-Wickler und Team [Nachname-Nachname].“

Beachvolley Vikings ist inzwischen mehr als nur ein Name. „Es ist quasi zu einer Marke geworden“, inklusive eigenem Merchandise. Es geht auch darum zu zeigen, dass hinter den beiden buchstäblich mehr steht: Ohne die zweite Mannschaft, gegen die sie im Training spielen, ohne ihre Physios, Trainer und die Unterstützung ihrer Eltern wären die Erfolge nicht möglich gewesen.

Das Scheinwerferlicht richtet sich nichtsdestotrotz auf die beiden Hauptakteure. „Wir sind mehr oder weniger wie ein Ehepaar“, sagt Mol mit einem Lachen und Sørum stimmt ihm grinsend zu.

Wie jedes Ehepaar streiten sich auch diese Arbeitsehemänner. „Er geht mir auf die Nerven“, bezeugt Sørum. Mol unterbricht ihn: „Er wollte noch sagen, dass ich manchmal langsam und spät dran bin, aber er verspätet sich noch mehr.“

Mol hat offenbar zu viele Interessen und schafft es, in der Off-Season immer verletzt zu sein. Viel Training ist da nicht drin. Wenn es darauf ankommt, ist er allerdings fit. „Ich bringe mich durch Erholung in Form“, schmunzelt er.

Historischer Vierfachsieg

Historischer Vierfachsieg

Wie gut das bislang funktioniert hat, beweist ein Blick auf die Trophäensammlung. Die Norweger sind das einzige Team, das die CEV EuroBeachVolley viermal in Folge gewinnen konnte. Sørum merkt an, dass sie sich den Four-Peat (vier Titel in Folge) nie zum Ziel gesetzt hätten, „aber ich finde es wirklich cool. Ich hätte nicht gedacht, dass man so viele Male hintereinander gewinnen kann.“ Anderen ist das Kunststück dreimal in Folge gelungen. Für Sørum eine Inspiration und erstaunliche Leistung, die er nun selbst übertroffen hat.

Der Erfolg hat seinen Preis. Mit Rekorden wachsen Erwartungen. „Es könnte zusätzlicher Druck entstehen, wenn wir einen Five-Peat (fünf Titel in Folge) anstreben“, fügt Mol an. „Natürlich wollen wir das erreichen, aber wir denken nicht daran, wenn wir spielen.“

Sie müssen sich in Europa auf die starke Konkurrenz aus Russland, Schweden und drei hochkarätige Teams aus den Niederlanden konzentrieren sowie auf internationaler Bühne auf die Kataris.

Früher hätte sich auch das deutsche Team Thole-Wickler in dieser Aufzählung gefunden. Im vergangenen Herbst gab Julius Thole jedoch seinen Rücktritt vom Profisport bekannt. Class of 22-Athlet Clemens Wickler wird nun bei der Heim-EM mit Nils Ehlers antreten – ein neuer Rivale auf der Bildfläche. Einer von vielen, die die Titelverteidiger vom Thron stoßen möchten. Für Sørum steht fest, dass sie gegen jedes Team ihr Bestes geben und eine gute Taktik ausklügeln müssen.

Entspannt zum Erfolg

Die Kindheitsfreunde lassen sich den Spaß am Spiel nicht verderben, auch nicht bei Wettkämpfen. „Wir haben gelernt, super entspannt zu sein, und manchmal spielen wir sogar eine Stunde vor dem Spiel Karten. Einfach um zu entspannen und Spaß zu haben“, berichtet Mol. Klingt unvorstellbar und ist es vermutlich für die meisten auch. „Während die anderen Teams unser Spiel studieren und an ihrer Taktik gegen uns feilen, sitzen wir da und spielen Karten.“ Wenn es kein Kartenspiel ist, dann sorgt Musik für Unterhaltung. Sørum erzählt, dass die beiden weder abergläubisch sind noch feste Rituale haben, „aber wir hören gern Musik. Anders ist der DJ.“

Die Playlist für München 2022 wird noch zu gegebener Zeit zusammengestellt. Ein weiterer Titel wäre aber auf jeden Fall Musik in ihren Ohren.

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